Altersarmut wächst – Fachtagung nimmt Situation im Kreis Paderborn in den Blick

Fachtag 1

Mehr als 70 Teilnehmende folgten der Einladung des Netzwerkes „Der Kreis Paderborn hält zusammen – für ein Leben ohne Armut und Ausgrenzung“, um das Thema Altersarmut in den Blick zu nehmen und Handlungsstrategien zu beraten.

„Bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der Menschen, die 65 Jahre und älter sind, um über fünf Millionen steigen. Zudem wird der Anteil älterer Menschen steigen, die von Altersarmut betroffen oder bedroht sind“ – so skizziert Wolfang Wähnke von der Bertelsmann-Stiftung die Dimensionen des Themas auf Grundlage einer jüngst erschienenen Bertelsmann-Studie.

In Workshops und Fachforen setzten sich die Teilnehmenden mit verschiedenen Facetten der Altersarmut auseinander. Ob Rente und Armutsprävention, Teilhabe im Alter, Quartiersmanagement oder der weiblichen Armut – deutlich wurde immer wieder, dass der gesamte Lebensverlauf und das Lebensumfeld bedeutend sind. „Bildung spielt weiter eine zentrale Rolle bei der Prävention von Armut – dennoch gelingt es dem deutschen Schulsystem immer noch zu wenig, Chancengerechtigkeit sicherzustellen“, legt Wähnke dar.

Dass es Zeit zu handeln ist, wird auch in abschließender Podiumsdiskussion deutlich. „Altersarmut wächst und dem müssen wir begegnen. Dies ist eine zentrale Aufgabe für uns Alle“, ruft Landrat Manfred Müller auf. Hier brauche es sowohl mittel- und langfristige Strategien und Konzepte, aber auch ein kurzfristiges Agieren, um den heute betroffenen Menschen in ihrer Situation zu helfen. Gesellschaft und Politik, Wirtschaft und Wohlfahrtspflege sind gemeinsam gefragt, neue Wege zu finden.

„Wir dürfen die Augen nicht verschließen, dass unsere Gesellschaft alt wird. Unternehmen müssen Eigenvorsorge fördern und unterstützen, hier gilt es neue Konzepte zu entwickeln.“, so Jürgen Behlke von der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld.

Ebenso ist eine Entstigmatisierung der Armut notwendig, sind sich die Teilnehmenden einig. „Noch immer ist Armut ein Tabu-Thema, das es aufzubrechen gilt“,  appelliert Olaf Mittelstädt vom Paderborner Arbeitslosenzentrum. So zeigt auch die Bertelsmann-Studie, dass die sogenannte „verschämte Armut“ einen großen Anteil einnimmt. Demnach nehmen 68% der über 65-jährigen, die Anspruch auf Grundsicherungsleistung hätten,  diesen demnach nicht in Anspruch. Scham und Unwissenheit sind hier mögliche Gründe.

Altersarmut ist ein vielschichtiges Phänomen und kennt keine einfachen Antworten. Aber es braucht die Auseinandersetzung, um die Sensibilität für die Situation betroffener Menschen zu schaffen. „Vernetzung ist ein zentrales Element um Altersarmut in den Kommunen zu begegnen und neue Wege zu gehen“, lobt Wolfang Wähnke von der Bertelsmann-Stiftung die Netzwerkarbeit der Initiative „Der Kreis Paderborn hält zusammen – für ein Leben ohne Armut und Ausgrenzung“.

„Wir freuen uns, dass mit unserem Fachtag ein Auftakt zu einer weiteren Diskussion dieses wichtigen Themas gemacht wurde. Die Arbeitsgruppe Altersarmut des Netzwerkes „Der Kreis Paderborn hält zusammen“ wird die Ergebnisse des Fachtages nun weiter bearbeiten“, resümiert Kathrin Jäger vom Paritätischen Wohlfahrtsverband und Sprecherin des Netzwerkes. Für das kommende Jahr ist eine weitere öffentliche Veranstaltung geplant.

Das Netzwerk „Der Kreis Paderborn hält zusammen – für ein Leben ohne Armut und Ausgrenzung“ ist der 2015 gegründete Zusammenschluss von mehr als 30 sozialen Organisationen, Einrichtungen, Verbänden und Initiativen sowie Kommunen und dem Jungend- und Sozialamt des Kreises Paderborn. Die Veranstaltung wurde gefördert durch das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes NRW.