Jugendbegegnungszentrum Salzkotten: Kreativer Beitrag zur Wanderausstellung „Was heißt schon arm?“

Zwei Wochen lang war die Wanderausstellung „Was heißt schon arm?“ in den Räumen des Jugendzentrums Salzkotten zu Gast. An Hand vielfältiger Exponate konnten sich die Kinder und Jugendlichen altersgerecht mit dem Thema Armut befassen und eigene Ideen für einen kreativen Beitrag zur Wanderausstellung entwickeln.

Der Entschluss der Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren war schnell gefasst: „Wir gestalten ein Buch!“. Inspiriert durch die Auseinandersetzung mit den Exponaten der Wanderausstellung verfassten sie mit etwas Unterstützung eine Geschichte und gestalteten passende Bilder. „Wir möchten uns mit der von den Kindern selbst gestalteten Kurzgeschichte sehr gerne an dieser Ausstellung beteiligen. Wir erhoffen uns dadurch, noch mehr Aufmerksamkeit für das Thema Armut erreichen zu können“ so Rüdiger Ruhose (Leiter des Jugendzentrums). Das fertige Buch wird in Kürze neues Exponat der Wanderausstellung sein.


von links:  Rüdiger Ruhose (Leiter Jugendzentrum), Kinder des Jugendzentrums,
Lea Zumdick (Mitarbeiterin im Jugendzentrum) und Silvana Freier-Juhnke (Mitarbeiterin im Projekt)

Altersarmut wächst – Fachtagung nimmt Situation im Kreis Paderborn in den Blick

Fachtag 1

Mehr als 70 Teilnehmende folgten der Einladung des Netzwerkes „Der Kreis Paderborn hält zusammen – für ein Leben ohne Armut und Ausgrenzung“, um das Thema Altersarmut in den Blick zu nehmen und Handlungsstrategien zu beraten.

„Bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der Menschen, die 65 Jahre und älter sind, um über fünf Millionen steigen. Zudem wird der Anteil älterer Menschen steigen, die von Altersarmut betroffen oder bedroht sind“ – so skizziert Wolfang Wähnke von der Bertelsmann-Stiftung die Dimensionen des Themas auf Grundlage einer jüngst erschienenen Bertelsmann-Studie.

In Workshops und Fachforen setzten sich die Teilnehmenden mit verschiedenen Facetten der Altersarmut auseinander. Ob Rente und Armutsprävention, Teilhabe im Alter, Quartiersmanagement oder der weiblichen Armut – deutlich wurde immer wieder, dass der gesamte Lebensverlauf und das Lebensumfeld bedeutend sind. „Bildung spielt weiter eine zentrale Rolle bei der Prävention von Armut – dennoch gelingt es dem deutschen Schulsystem immer noch zu wenig, Chancengerechtigkeit sicherzustellen“, legt Wähnke dar.

Dass es Zeit zu handeln ist, wird auch in abschließender Podiumsdiskussion deutlich. „Altersarmut wächst und dem müssen wir begegnen. Dies ist eine zentrale Aufgabe für uns Alle“, ruft Landrat Manfred Müller auf. Hier brauche es sowohl mittel- und langfristige Strategien und Konzepte, aber auch ein kurzfristiges Agieren, um den heute betroffenen Menschen in ihrer Situation zu helfen. Gesellschaft und Politik, Wirtschaft und Wohlfahrtspflege sind gemeinsam gefragt, neue Wege zu finden.

„Wir dürfen die Augen nicht verschließen, dass unsere Gesellschaft alt wird. Unternehmen müssen Eigenvorsorge fördern und unterstützen, hier gilt es neue Konzepte zu entwickeln.“, so Jürgen Behlke von der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld.

Ebenso ist eine Entstigmatisierung der Armut notwendig, sind sich die Teilnehmenden einig. „Noch immer ist Armut ein Tabu-Thema, das es aufzubrechen gilt“,  appelliert Olaf Mittelstädt vom Paderborner Arbeitslosenzentrum. So zeigt auch die Bertelsmann-Studie, dass die sogenannte „verschämte Armut“ einen großen Anteil einnimmt. Demnach nehmen 68% der über 65-jährigen, die Anspruch auf Grundsicherungsleistung hätten,  diesen demnach nicht in Anspruch. Scham und Unwissenheit sind hier mögliche Gründe.

Altersarmut ist ein vielschichtiges Phänomen und kennt keine einfachen Antworten. Aber es braucht die Auseinandersetzung, um die Sensibilität für die Situation betroffener Menschen zu schaffen. „Vernetzung ist ein zentrales Element um Altersarmut in den Kommunen zu begegnen und neue Wege zu gehen“, lobt Wolfang Wähnke von der Bertelsmann-Stiftung die Netzwerkarbeit der Initiative „Der Kreis Paderborn hält zusammen – für ein Leben ohne Armut und Ausgrenzung“.

„Wir freuen uns, dass mit unserem Fachtag ein Auftakt zu einer weiteren Diskussion dieses wichtigen Themas gemacht wurde. Die Arbeitsgruppe Altersarmut des Netzwerkes „Der Kreis Paderborn hält zusammen“ wird die Ergebnisse des Fachtages nun weiter bearbeiten“, resümiert Kathrin Jäger vom Paritätischen Wohlfahrtsverband und Sprecherin des Netzwerkes. Für das kommende Jahr ist eine weitere öffentliche Veranstaltung geplant.

Das Netzwerk „Der Kreis Paderborn hält zusammen – für ein Leben ohne Armut und Ausgrenzung“ ist der 2015 gegründete Zusammenschluss von mehr als 30 sozialen Organisationen, Einrichtungen, Verbänden und Initiativen sowie Kommunen und dem Jungend- und Sozialamt des Kreises Paderborn. Die Veranstaltung wurde gefördert durch das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes NRW.

Wanderausstellung macht Station in Bad Lippspringe

Die Ausstellung zu unserem Wettbewerb „Was heisst schon arm?“ ist, auf ihrem Weg durch den Kreis Paderborn, als nächstes in Bad Lippspringe zu sehen.

Die Ausstellungseröffnung findet am 06. November um im Rahmen des Patronatsfestes der Kirche St. Martin statt. Das Fest startet um 14:00 Uhr mit einem Gottesdienst zum Thema Armut.

Nach der Eröffnung beim Patronatsfest wird die Ausstellung vom 07. bis zum 18. November in der Sparkasse Paderborn-Detmold, Detmolder Straße 141 in Bad Lippspringe, zu sehen sein.

BaLi

 

 

 

Ausstellungseröffnung in Delbrück

Der Startschuss für die Ausstellung „Was heißt schon arm“ ist gefallen.

Am Montag, den 12. September, war es endlich soweit und die Wanderausstellung konnte feierlich eröffnet werden.
Ab 18:00 Uhr öffnete die Volksbank Delbrück ihre Türen, um sowohl geladene Gäste als auch spontane Besucher in ihren Räumlichkeiten willkommen zu heißen.

DSC_0237

 
Jörg Horstkötter, Vorstandsmitglied der Volksbank Delbrück-Hövelhof, begrüßte alle Anwesenden, besonders die Ehrengäste aus dem Kinder- und Jugenddorf Delbrück, ganz herzlich. Im Anschluss schlugen Werner Peitz, Bürgermeister der Stadt Delbrück und Rita Köllner, Familien- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Delbrück, neben freundlichen Grußworten auch einen ernsten Ton an, um nochmals ausdrücklich auf die prekäre Situation vieler Menschen aufmerksam zu machen.

DSC_0066

 
Ein spontanes Interview mit der Gewinnergruppe, über ihr Werk „Hat Armut ein Gesicht?“, eröffnete letztendlich die Besichtigung der ausgestellten Exponate. Bei kühlen Getränken und kleinen Snacks wurden Bilder sowie Filme betrachtet, Texte gelesen und das ein und andere anregende Gespräch geführt.

DSC_0074

Der Auftakt der Wanderausstellung war ganz zweifelsfrei ein voller Erfolg. Und die Erkenntnis, welche jeder Besucher für sich mitgenommen hat, lautet – Armut hat kein Gesicht!

Hier geht`s zur Pressemitteilung: Ausstellungseröffnung in Delbrück

 

Armutsbericht 2016 des Paritätischen Gesamtverbandes

Armutsbericht 2016: Verbände kritisieren anhaltend hohe Armut und fordern von Bundesregierung sozial- und steuerpolitischen Kurswechsel
Ein Verharren der Armutsquote in Deutschland auf hohem Niveau beklagt der Paritätische Wohlfahrtsverband in seinem aktuellen Armutsbericht, der erstmals in erweiterter Form und unter Mitwirkung weiterer Verbände und Fachorganisationen erscheint. Während in neun Bundesländern die Armutsquoten 2014 gesunken seien, belegt der Bericht einen Anstieg der Armut in den bevölkerungsreichen Bundesländern Bayern und Nordrhein-Westfalen. Hauptrisikogruppen seien Alleinerziehende und Erwerbslose sowie Rentnerinnen und Rentner, deren Armutsquote rasant gestiegen sei und erstmals über dem Durchschnitt liege. Die Herausgeber sehen daher auch keinerlei Anlass zur Entwarnung und fordern von der Bundesregierung einen sozial- und steuerpolitischen Kurswechsel, um dringend notwendige Maßnahmen zur Armutsbekämpfung auf den Weg zu bringen.

Das gute Wirtschaftsjahr 2014 habe zu keinem nennenswerten Rückgang der Armutsquote in Deutschland geführt. Die Armut verharre mit 15,4 Prozent auf hohem Niveau, so der Bericht. Die Armutsquote sei zwar von 2013 auf 2014 um 0,1 Prozentpunkte gesunken. Ob der Negativtrend seit 2006, als die Armutsquote noch 14 Prozent betrug, damit gestoppt sei, sei jedoch offen. Während es insbesondere in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern signifikante Rückgänge der Armutsquoten gegeben habe, setze sich der Negativtrend in Nordrhein-Westfalen ungebrochen fort. Das Ruhrgebiet bleibe mit Blick auf Bevölkerungsdichte und Trend die armutspolitische Problemregion Nummer Eins in Deutschland. Seit 2006 sei die Armutsquote im Ruhrgebiet um 27 Prozent angestiegen auf einen neuen Höchststand von 20 Prozent.

Die am stärksten von Armut betroffenen Gruppen sind nach dem Bericht Erwerbslose (58 %). Auch die Kinderarmutsquote (19 %) liegt nach wie vor deutlich über dem Durchschnitt, wobei die Hälfte der armen Kinder in Haushalten Alleinerziehender lebt. Die Armutsquote Alleinerziehender liegt bei sogar 42 %, was u. a. an systematischen familien- und sozialpolitischen Unterlassungen liegt.
Alarmierend sei die Entwicklung insbesondere bei Rentnerhaushalten. Erstmalig seien sie mit 15,6 Prozent überdurchschnittlich von Armut betroffen. Die Quote der altersarmen Rentnerinnen und Rentner sei seit 2005 um 46 Prozent und damit so stark angewachsen wie bei keiner anderen Bevölkerungsgruppe. Ergänzend zu den empirischen Befunden beleuchten die Experten in dem Bericht auch umfassend die Lebenslagen einzelner nach der Statistik überdurchschnittlich von Armut betroffener Personengruppen wie bspw. Kinder oder Migrantinnen und Migranten, sowie derjenigen, die bisher gar nicht von der Statistik erfasst werden, wie Obdachlose oder Flüchtlinge.

Herausgeber des Armutsberichts sind Der Paritätische Gesamtverband, das Deutsche Kinderhilfswerk, der Volkssolidarität Bundesverband, die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, der Deutsche Kinderschutzbund, der Verband alleinerziehender Mütter und Väter, der Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte und die Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie. PRO ASYL hat sich zudem mit seiner flüchtlingspolitischen Expertise in die Erstellung des Berichts eingebracht.
Die Herausgeber verstehen den gemeinsamen Bericht als „parteiisch und aufklärerisch im besten Sinne“ und erklären: „Wir sind Verbände und Fachorganisationen, die die Lebenslagen der Betroffenen kennen und ihnen mit diesem Bericht eine Stimme geben wollen. Wir wissen, wovon wir reden und was Armut in Deutschland bedeutet. Es ist Zeit für eine Sozialpolitik, die wirklich alle Menschen mitnimmt und keinen zurück lässt. Es ist Zeit für einen sozial- und steuerpolitischen Kurswechsel, um Armut zu bekämpfen und eine Verringerung sozialer Ungleichheit zu erreichen“. Für den 7. und 8. Juli 2016 kündigen die Herausgeber als nächste gemeinsame Aktion einen großen armutspolitischen Hauptstadtkongress an, für den bereits weitere Mitveranstalter wie u. a. der DGB gewonnen werden konnten.

Den Bericht, weitere Infos und eine detaillierte Suchfunktion nach Postleitzahlen finden Sie im Internet unter: www.der-paritaetische.de/armutsbericht

Details zum Armutskongress am 7. und 8. Juli 2016 in Berlin unter: www.armutskongress.de

Netzwerk setzt Schwerpunkte

Bei seiner zweiten Sitzung hat das Netzwerk „Der Kreis Paderborn hält zusammen – für ein  Leben ohne Armut und Ausgrenzung“ Themenschwerpunkte für seine weitere Arbeit gesetzt. So berieten die Vertreterinnen und Vertreter über Herausforderungen, Visionen und Handlungsnotwendigkeiten.

Folgende Arbeitsgruppen wurden daraufhin gegründet:

2. Armutssensibles Handeln in Einrichtungen, Institutionen und Verbänden
3. Altersarmut
4. Kreisfamilientag
5. Öffentlichkeitsarbeit

Die Arbeitsgruppen nehmen nun ihre Arbeit auf. Interessenten zur Mitarbeit sind herzlich willkommen und können sich hier melden.

Netzwerkgründung „Paderborn hält zusammen“

Am Dienstag, 24.08.2015 hat sich das Netzwerk „Der Kreis Paderborn hält zusammen – für ein Leben ohne Armut und Ausgrenzung“ gegründet. Fast 40 Organisationen, Einrichtungen, Verbände und Kommunen aus dem Kreis Paderborn waren zusammengekommen, um über die aktuelle Armutssituation in der Region zu beraten und Ideen zu entwickeln, wie sozialer Ausgrenzung entgegengetreten werden kann. Gefördert wird der Aufbau des Netzwerkes durch das Förderprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen „NRW hält zusammen“.
Hier geht es zur Pressemitteilung.

Foto PM Netzwerkgründung